Lächeln
April 28th, 2011 § 1 Kommentar
Der Vorhang fällt. Euphorie. Still tanzend den Saal verlassen.
Lichter. Plakate. Lächeln. Der Geruch von verbranntem Fleisch und warmen Mandeln. Über dem Boden schweben. Zeit vergehen lassen. Lächeln. Atmen. Treppen runterstolpern. Musik. Gesang. Lächeln. Lärm. Streit. Eine Bahn fährt ein und erstickt jedes Geräusch. Menschen. Alte Menschen mit eingefallenen Gesichtern. Junge Menschen in ihre eigenen kleinen Welten vertieft. Lächeln. Augen schließen. Zurücklehnen. Kindergeschrei. Eigentlich ist es zu spät für Kindergeschrei. Lächeln. Aussteigen. Souveränität vortäuschen. Innere Anspannung. Umsehen. Straßen. Lichter. Menschen. Eigentlich ist es zu spät für Menschen. “Coke please.” Bezahlen. Rausgehen. Cola vergessen. Aus Scham nicht zurückgehen. Lächeln. An der nächsten Ecke eine neue Cola kaufen. Zu Konzentration zwingen um nicht überfahren zu werden. Nachts schmeckt die Luft intensiver. Stille. Lächeln.
Momentaufnahmen (New York City University)
April 21st, 2011 § 2 Kommentare
Links aus der Subway Station raus, ueber die Strasse. Menschen die laecheln wenn du ihnen in die Augen schaust. Kopfhoerer rausnehmen, einen Moment umsehen. Ein Schild “University” an einer gruenen Strassenlaterne. Den Schildern folgen. Ein rechteckiges Viertel. Ein riesiges rechteckiges Viertel. In der Mitte ein Park. In der Mitte des Parks ein leerer Springbrunnen. Junge Menschen. Trommeln. Studenten spielen Fussball in dem leeren Brunnen. “Can I join?” – “Sure buddy.” Tasche ablegen. Fussball spielen. “Time to leave.” – “Alright man, have a good night.” Cellospieler. Zuhoeren. Laecheln. Einen Dollar in seinen Hut werfen. Auf die Uhr sehen. 22:17. Subway.
Lächeln zwischen Laken
März 7th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar
Das hier ist ein Gastbeitrag der wundervollen @facella, zu dem von mir vorgegebenen Zitat.
Ihr findet ihren Blog hier: http://herzintakt.wordpress.com/
“Dieses Glück nähert sich auf leisen Sohlen, morgens wenn die beiden noch schlafen. Vorsichtig geht die Tür auf. Vier Kinderfüße tapsen ins Zimmer. Kurz darauf kuscheln sich der vierjährige Tjark und sein zwei Jahre jüngerer Bruder Luk zu den Eltern ins Bett.”
Ich liebte ihn nicht und tat es wohl nie. Nicht, weil ich es nicht wollte, viel mehr weil ich es nie konnte. Diese Schwelle von Freundschaft und der zeitgleichen sexuellen Anziehung konnte ich nie überschreiten. Ob er mich je wirklich liebte, kann ich schwer sagen. Manchmal hörte ich mich sagen, dass er diese sexuelle Anziehungskraft mit Liebe verwechselt, dass er etwas auf mich projiziert, von dem er sich wünscht, das es existiere.
Ich halte den schmalen, silbernen Ring zwischen Daumen und Zeigefinger. Das Licht spiegelt sich in dem bläulichen Diamanten, während er auf eine Antwort von mir wartet. Sie wird ihm nicht gefallen und unseren gemeinsamen Weg zeitgleich zu Fall bringen.
Während ich noch überlege, wie ich meine Antwort in die schönst möglichen Worte packen kann, höre ich ihn plötzlich etwas sagen, das er in der Zukunft noch viele Male wiederholen wird:
“Du hast immer gesagt, dass Du alles willst. Hiermit gebe ich Dir alles. Alles und noch mehr. Alles, was Du willst.”
Ich schlucke. Drehe den Ring einige Male um sich selbst, ehe ich mit trockenem Mund sage: “Du würdest mir vielleicht alles geben, doch für mich wird es nie alles sein.”
Wir sehen uns nicht an. Starren beide gebannt auf den gläsernen Tisch vor uns, auf dem der Ring, den ich gerade fallen ließ, noch um sich selbst zirkuliert und schließlich mit einem ohrenbetäubenden Geräusch zur Seite kippt und liegen bleibt. Und genau in diesem Moment betritt ein Teil dieses Alles den Raum. Max ist acht Jahre alt, strohblond und der einzige Grund, der mich eventuell meine Antwort hätte überdenken lassen.
Ich versuche mir eine gemeinsame Zukunft mit ihm und dem Kleinen vorzustellen. Ein gemeinsames Leben, die gemeinsame Wohnung aus der ein gemeinsames Heim wird, geheuchelte Liebe und Zweisamkeit zwischen dem Versuch ihm die Mutter zu ersetzen, die er nie hatte. In meinem Kopf erscheinen Bilder von einem gedeckten Tisch an einem sonnigen Sonntagmorgen, von Kinderlachen zwischen den Laken, von ersten Schultagen und aufgeschürften Knien und muss bemerken, dass ich diese Bilder nicht erfinden muss, da sie fester Teil meiner Erinnerung sind.
Ich sehe Max an, der nicht wirklich versteht, wieso wir schweigen, dennoch tapfer weiter lächelt. Ich sehe den Mann an meiner Seite an und schüttle meinen Kopf. Er weiß, dass diese Antwort endgültig ist, demonstriert durch den Ring, der verloren auf der Tischplatte liegt.
Und als ich gehe, den Kleinen noch einmal an mich drücke, sage ich ihm, den Mann, der nie ganz aus meinem Leben verschwinden wird, weil er sich immer wieder dorthin zurückschleichen wird: “Was Du willst, das will ich auch. Nur nicht jetzt. Dies hier ist nicht meine Gegenwart, dies hier könnte meine Zukunft sein. Nur sehe ich Dich darin nicht.”
Und damit verlasse ich ihn. Endgültig, wie es für diesen Moment scheint, obwohl ich weiß, dass er nicht loslassen wird, nicht, weil er es nicht kann, sondern weil er es nicht will.
Momentaufnahmen
März 7th, 2011 § 2 Kommentare
Der Geruch von Waffeln, wenn man die Zugtür öffnet und die Treppen in die Vorhalle des Hauptbahnhofs runtergeht.
Die Menschen, die du ansiehst ohnen ihnen in die Augen zu blicken.
Die Frau beim Bäcker, die dir täglich mit dem gleichen gelangweilten Gesichtsausdruck einen guten Morgen wünscht.
Die hämischen Gesichtsausdrücke wenn du das Klavier durch die Fußgängerzone schiebst.
Die spürbare Fassungslosigkeit der Menschen wenn du beginnst zu spielen.
Dieses kurze Triumphgefühl.
Ein Kind dass dich anlächelt.
Glück.
Jugendliche die im Vorbeigehen auf die Klaviertastatur hauen. Einfach so.
Hass.
Beifall.
Glück.
Alter Mann der faselt du sollst doch bitte Chopin spielen und nicht so einen Scheiß.
Hass.
Kleingeldgeklimper.
Zurückschieben. Erschöpft. Meistens glücklich.
Sparkasse.
Hauptbahnhof.
Der Geruch von Waffeln erreicht die Nase nicht mehr.
Zug.
Zurück in ein Haus dass nicht mein zuhause ist.
Krebs ist scheiße.
Februar 16th, 2011 § 28 Kommentare
In diesem Blogeintrag geht es Krebs und um Tod.
Menschen die auf dieses Thema sensibel reagieren, würde ich empfehlen diesen Text nicht zu lesen.
(Januar-April 2010)
“Sie haben festgestellt dass der Krebs gestreut hat. Das heißt dass Papa sterben wird. Die Ärzte haben gesagt dass es noch Jahre dauern kann, oder dass er nur ein paar Monate lebt. Wir müssen alle jetzt Rücksicht auf ihn nehmen.”
Worte die mich treffen. Weil sie so unerwartet kommen und so ungreifbar sind.
Ich komme nach Hause, eigentlich ist alles wie immer. Trotzdem ist alles anders.
Ich umarme meinen Vater lange und merke wie er zittert.
“Es gibt schlechte Nachrichten aus dem Krankenhaus. Sie haben einen Tumor bei Mama im Kopf gefunden.”, sagt mein Vater und wirkt dabei fast so als würde er lächeln, aber das bilde ich mir sicher nur ein, denke ich.
Eigentlich denke ich gar nicht mehr.
Ich nehme meinen Hund und gehe spazieren, stundenlang. Als ich wiederkomme ist es dunkel.
“Es wird schon alles gut werden, es ist bestimmt ein gutartiger Tumor und wenn nicht kann man den trotzdem sicher irgendwie operieren.” sagt sie.
Ich glaube ihr nicht.
Die folgenden 3 Monate meines Lebens ziehen so rasend schnell an mir vorbei, dass ich heute kein genaues Bild mehr von ihnen wiedergeben kann.
Krankenhausbesuche sind scheiße.
Sehen wie Menschen die du liebst immer schwächer werden ist scheiße.
Das Gefühl der völligen Ohnmacht ist scheiße.
“Er ist ganz friedlich eingeschlafen. Und ich habe seine Hand gehalten. Und er hat gesagt was für tolle Kinder er hat.” sagt sie.
Ich weine.
“Mama wird sterben.” sagt sie und umarmt mich.
Mein Blick wird leer.
Das Telefon klingelt. Ich gehe nicht ran. Ich habe meistens Angst vor Telefonanrufen. Ich schlafe ein. Das Telefon klingelt wieder.
“Mama ist tot” sagt sie. “Wir holen dich gleich ab, dann kannst du dich von ihr verabschieden.”
Wir fahren ins Krankenhaus. Ich sehe sie. Sie sieht wirklich aus als würde sie schlafen, aber ihre Hand ist eiskalt.
Ich weine. Der Schmerz zerstört jeden Gedanken.
Die Krankenschwester sagt dass sie keine Schmerzen hatte und dass es ihr sehr Leid tut und an ihrem Gesicht sehe ich, dass sie das auch so meint.
Turbostaat – Am Ende Einer Reise. Immer wieder.
Der Mensch dem ich diesen Teil meines Lebens schon erzählt habe, sagt ich würde so wirken als wäre ich über den Verlust hinweg gekommen.
Und das bin ich, das weiß ich.
Und trotzdem vermisse ich meine Eltern mit jedem Tag.
Und es macht mich traurig zu wissen dass sie meine Kinder nie kennenlernen werden.
Aber ich habe Träume die dieses Leben so unglaublich lebenswert machen und für die sich der ganze Scheiß lohnt.
Und eines Tages werde ich meinen Kindern von meinen Eltern erzählen und dann werden auch sie wissen, was für wundervolle Menschen sie waren.
Momente.
Februar 14th, 2011 § 7 Kommentare
Momente des Schmerzes.
Momente der Liebe.
Momente des Hasses.
Momente des Glücks.
Momente in denen man glaubt das Leben endet.
Momente in denen man glaubt das Leben endet nie.
Momente der Hoffnung.
Momente des Verlustes.
Momente der Trauer.
Momente der Ohnmacht.
Momente der Gleichgültigkeit.
Momente die man nie vergisst.
Momente ohne Bedeutung.
Momente in denen alles sinnlos scheint.
Momente der Kraft.
Momente des Aufstehens.
Momente der Zukunft.
Momente in denen man in der Vergangenheit lebt.
Momente in denen man sich die Vergangenheit herwünscht.
Momente in denen man das pure Leben lebt.
Momente in denen man sich wünscht jemand anders zu sein.
Momente die sich in das Herz brennen.
Momente die man zu sehr liebt um sie zu begreifen.
Momente von denen man enttäuscht ist weil man sich mehr von ihnen erhofft hat.
Momente in denen die Gefühle überschwappen.
Momente der Tränen.
Momente in denen die Tränen versiegen und eine Leere zurückbleibt.
Momente die man lieber vergessen würde.
Momente wenn die Musik die Kontrolle über die Gedanken übernimmt.
Momente die schöner sind wenn man sie teilt.
Momente die man für sich behählt weil man ihren Zauber nicht zerstören will.
Momente die man gemeinsam erlebt.
Momente die zusammenschweißen.
Momente in denen man über sich hinauswächst.
Momente in denen man sich klein und unbedeutend fühlt.
Momente wenn alles schweigt und es nichts mehr zu sagen gibt.
Momente die länger dauern sollten.
Momente die man sich im Nachhinein schönredet.
Momente die alles Lachen ersticken lassen.
Momente in denen man findet was man sucht.
Momente in denen man etwas sucht von dem man geglaubt hatte es gefunden zu haben.
Momente in denen man sich fallen lässt.
Momente in denen man aufgefangen wird.
Momente in denen man sich sicher fühlt.
Momente die sich falsch anfühlen.
Momente bei denen man sich die Konsequenzen nicht bewusst ist.
Momente in denen man vergisst wer man ist.
Momente die durch andere Menschen leben.
Momente in denen das Atmen schwer fällt.
Momente der nackten Angst.
Momente vor denen man sich verstecken will.
Momente von denen man hofft dass sie niemand im Gesicht ablesen kann.
Momente die das Leben zu etwas Besonderem machen.
Momente.
Blicke erzählen Geschichten. Von Liebe von Einsamkeit von Sehnsucht und von Glück.
Februar 14th, 2011 § 9 Kommentare
[Gegenwart]
Unsere Augenpaare treffen sich.
Du sitzt direkt gegenüber von mir.
Du siehst traurig aus, so unglaublich traurig.
Du bist doch noch ein Kind, du solltest gar nicht so traurig gucken können.
Ich würde dich gerne fragen wieso du so traurig bist, aber das geht nicht, das weiß ich.
Ich steige aus, du schaust mir hinterher.
Ich drehe mich noch einmal um und sehe wie dein Blick schreit und ich renne und steige an der nächsten Haltestelle ein und du siehts mich an und du lächelst und ich lege meinen Arm um deine Schulter und sage dir dass alles gut wird.
Wie sehr ich mir gerade wünsche das wirklich getan zu haben.
Anfang.
Februar 11th, 2011 § 5 Kommentare
Es ist kalt draußen, aber nicht kalt genug um mich dazu zu bewegen noch einmal nach oben zu laufen um meine Handschuhe zu holen.
Der Hund wartet vor der Tür, ich höre ihn im Hintergrund bellen während ich die Jacke nehme die, wie andere Personen sagen, viel zu dünn ist.
Ich fahre ein Stück mit dem Fahrrad die Hauptraße entlang.
Am Kriegsdenkmal begegne ich einem älteren Ehepaar.
Er sieht mürrisch aus, sie gelangweilt.
Ich grüße kurz, sie grüßen nicht. Villeicht waren sie zu überrascht, denke ich.
An einem Spielplatz halte ich und setze mich auf die Schaukel.
Ich schließe die Augen und spüre ein Kribbeln im Bauch als ich mich nach hinten lehne.
Gegenüber von dem Spielplatz steht ein Haus. Vor dem Haus parkt ein Wagen. Ein Mann und zwei Kinder steigen aus und gehen in das Haus.
Die Kinder sind noch sehr jung.
Ich wünsche mir für einen Moment ich wäre dieser Mann.
Ich hole wieder Schwung und schließe die Augen.
Das Kribbeln bleibt aus, weil es immer nur beim ersten Mal kribbelt.
Ich merke nicht dass mein Hund plötzlich in Reichweite der Schaukel steht und streife ihn mit dem Fuß.
Er jault kurz, ich stoppe, er kommt schwanzwedelnd auf mich zu, ich kraule ihn hinter den Ohren.
Ich stehe auf, wir fahren weg und ich denke ich könnte wieder einen Blog schreiben.
In diesem Blog soll es um meine Zukunft gehen, um meine Gegenwart und um meine Vergangenheit.
Ich werde über Dinge schreiben die in meiner Vergangenheit passiert sind, über die es nicht leicht sein wird zu schreiben und die nicht leicht sein werden zu lesen.
Meine Träume und Gedanken sollen in diesem Blog Platz finden, ebenso wie Alltägliches aus meinem Leben. Wenn ihr mich ein Stück auf dem Weg in eine hoffentlich glückliche Zukunft begleiten wollt, Herzlich Willkommen.